Montag, 1. Juli 2013

Energiewende - Aus dem Leben der CO2-freien Paragraphenrepublik Deutschland.

A. Die Bundesnetzagentur berichtet:
"Mit Stand 27.03.2013 umfasst die Kraftwerksliste der Bundes­netz­agentur Erzeugungs­anlagen mit einer Netto-Nenn­leistung von insgesamt 175,3 GW (ohne endgültig still­gelegte Anlagen). Hiervon ent­fallen 75,5 GW auf erneuer­bare Energie­träger. Insgesamt 71,5 GW sind nach EEG vergütungs­fähig."
Einige Zahlen, vgl. auch BDEW:
  1. Zubau an Erzeugungsleistungen innerhalb eines Jahres: > 10.000 MW, davon rd. 8.000 MW hoch­subventionierte Solar­anlagen, die nur mit weniger als 15% Volllast­aus­nutzung produzieren können.
  2. Jahreshöchstlast in Deutschland: Zwischen 80.000 und 85.000 MW.
  3. Installierte Netto-Erzeugung in DE 2013: 175.300 MW, davon subventionierte 71.500 MW Erneuer­bare-Energie-An­lagen (EE-Anlagen), die lediglich 23% der Gesamt­produk­tion schaffen, siehe Punkt 5.
  4. EEG-Subventionen der EE-Anlagen in 2013: 20 Milliarden Euro, weiter steigend.
  5. Stromerzeugung in DE pro Jahr: rd. 600 Mrd. kWh, davon EE-Anlagen rd. 135 Mrd. kWh.
  6. Durchschnittliche Erzeugungskosten der "Alten Erzeugung" incl. nukl. Ent­sorgung, Speicherung und Ver­marktungs­kosten: < 6 Cent/kWh.
  7. Summe Erzeugungskosten "Alte Erzeugung": < 36 Mrd. Euro/a.
  8. Jährliche Zusatzkosten "klimawandelgerechte Erzeugung": 20 Mrd. Euro EEG-Umlage + Offshore-Umlage + KWK-Umlage + Netzausbau Onshore und Offshore + negative Exportpreise bei Überangebot + Kosten "Reservekraftwerksregime" + Kosten Power-to-Gas + Regie- und Verwal­tungs­kosten wegen staat­licher Regulierungen und Berichts­pflichten + Kosten gestran­deter Projekte (Beispiel: Neues Statkraft GuD-Kraftwerk Knapsack II).
  9. Summe CO2-Emissionen weltweit, natürlich und zivilisatorisch, geschätzt: 600 - 1.000 Mrd. Tonnen/Jahr.
  10. Summe CO2-Emissionen DE, zivilisatorisch: 0,8 Mrd Tonnen/Jahr.
  11. Relation CO2-Emissionen DE zivilisatorisch/Summe weltweit: 0,1%.
  12. 0,1% ist Genauigkeitsrauschen im Zahlendschungel.
  13. CO2-Emissionsminderung durch EE-Anlagen: EE-Anlagen kompensieren 60 Mrd. kWh gesetzlich still­gelegte Strom­erzeugung aus Uran (CO2-frei) und 75 Mrd. kWh Strom aus Erdgas und Kohle. Mittlere Emissions­minderung: 0,75 kg CO2/kWh ⇒ Einsparung rd. 55 Mio. Tonnen CO2.
  14. Relation CO2-Emissionsminderung EE-Anlagen DE/Summe weltweit: < 0,01%.
  15. Jährliche Kosten für Nichts: >> 20 Mrd. Euro.
  16. Subventions-Kosten Emissionsminderung mit EE-Anlagen: 360 Euro pro Tonne CO2.
  17. Kosten CO2-Emissions­rechte (01.07.2013): < 5 Euro pro Tonne CO2.
Alles klar?

Wer hat die wirtschaftlich-ökologischen Top Flops beschlossen? Die Bundesregierung unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und das Bundes­parlament mit missionarischer Unter­stützung von CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke.

B. Auszug aus: "Bericht zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2012/13 vom 20. Juni 2013" der Bundesnetzagentur: 
Kapitel 9.2. Erwarteter Zu- und Rückbau von Erzeugungskapazitäten (S. 33-35)
"Die in 2013 außer Betrieb gehende Kraftwerkskapazität süd­lich von Frank­furt am Main er­gibt sich nahezu voll­­ständig aus der Still­legung des Kraft­werks Stau­dinger I, das bei einer Leistung von etwa 250 MW auf Grund einer Ver­fügung des Regierungs­präsi­diums Darm­stadt in 2013 aus immis­sions­­schutz­­recht­­lichen Gründen endgültig still­gelegt werden soll. Das Regierungs­präsidium Darmstadt hält die Still­legung für un­um­­gäng­lich und lehnt weitere Gespräche mit der Bundes­netzagentur als „nicht ziel­führend“ ab.
Diese Stilllegung ist aus Sicht der System­sicherheit nicht vertret­bar. Sie gefährdet die Ver­sorgungs­­sicher­heit in der Rhein-Main Region und bundes­weit, da in der Folge des Atom­moratoriums in Süd­deutsch­land alle ver­blei­benden kon­­ventio­­nel­len Kraft­werke in der Region dringend benötigt werden [...]. Dem Kraft­werk Stau­dinger I kommt eine beson­­dere Bedeutung zu, da es an zentraler Stelle im Über­tragungs­netz liegt. Eine end­­gül­tige Still­legung des Kraft­werks könnte insbesondere zu einer Gefährdung der Spannungs­haltung in der Rhein-Main-Region führen. [...]. Mit dem Abschalten von Staudinger I wurden den Übertragungs­netz­betreibern 250 MW Erzeugungs­leistung in der Rhein-Main-Region zur Beherrschung ange­spannter System­zustände ent­zogen."
Das Regierungspräsidium Darmstadt im Ebbelwoi-Ländle, vertreten durch den Herrn Regierungs­präsi­denten Johan­nes Baron, lehne weitere Gespräche mit der Bundes­netz­agentur als "nicht ziel­führend" ab.

So ist's recht, Herr Baron. Es lebe die Paragraphenrepublik Deutschland.