Samstag, 4. Mai 2013

Meiler hinterm Bosporus, Mühlen im Meer und die Kohlenstoffpredigt auf dem Kirchentag. Update: 05. Mai 2013.

Das japanisch-französische Konsortium Mitsubishi Heavy Industries und Areva wird das zweite Kernkraftwerk in der Türkei bauen. Der Vertrag wurde am 03. Mai 2013 von Premierminister Erdoğan und den Vertragspartnern unterzeichnet, wie Hürriyet Daily News berichtet. Mit 4 Blöcken soll die Anlage 4.800 MW leisten. Der Bau soll in 4 Jahren beginnen. Standort: Provinz Sinop, nordöstlich von Ankara am Schwarzen Meer. Der Vertrag beinhaltet die Standortsuche für ein drittes Kernkraftwerk.

Unterdessen begab sich zu Hamburg an der Elbe der 34. Evangelische Kirchentag mit prominenten Gästen. Herausforderer Peer (SPD) und Titelverteidigerin Angela (CDU) waren auch da. Die Bundeskanzlerin hielt sich streng an die Losung "Soviel du brauchst", ließ Hinterlassenes beiseite und war zutiefst überzeugt, dass Du Volk mich brauchst, wie immer.

Eventgemäß voller himmlischer Weisheit in Ewigkeit und noch länger
"Wir haben eine Bringschuld zu zeigen, wie man Wachstum, Wohlstand und Nachhaltigkeit zusammenbringen kann." Die Energiewende in Deutschland habe international Vorbildcharakter. Merkel sagte, sie sei zutiefst davon überzeugt, dass die Energiewende gelinge. Viel sei schon erreicht. Dieser Weg müsse fortgesetzt werden. "Wenn wir das nicht schaffen, werden andere sich zurücklehnen und sagen: Wir schaffen das auch nicht.",
feuerte sie Zehntausende an "Wir schaffen es, wir schaffen es, we are the champions, we bumb the carbon away, away, away ...". Blubb.

Hamburgs Straßen bebten im Klimawandeltakt. Die Elbe rüttelte an den Deichen. Helmut schnüffelte Losung und witterte Wiederauferstehung.

Nur einer fehlte. Ein Mühlenabstinenzler. Ein energetisch Vorwärtsgewandter. Ein protestantisch Unmöglicher. Ach, hätten sie ihn doch nur eingeladen, die Katrin, die Margot und die Angela, den Recep Tayyip Erdoğan. Stante pedes hätte er sich bekehren lassen müssen, vom Wir-schaffen-es-Trio, und ohne Zaudern hätte er seinen Leuten getwittert, dass zu lösen sei, was gerade geschlossen. Beim Barte des Propheten: Weg mit Atom, zurück zu Mühlen. In Almanya kannst du kriegen, soviel du brauchst.

Was macht der Bube vom Bosporus stattdessen? Er lehnt sich zurück und sagt, Angela, mache es ohne mich. Ich mache jetzt Atom.

Bemerkenswert ist die Überheblichkeit der Bundeskanzlerin, nur sie und Deutschland wüssten, was richtig sei. "Wir haben eine Bringschuld zu zeigen...". Die Bundeskanzlerin sollte mal ihre gepanzerte Staatskarosse verlassen und die von der öffentlichen Hand heruntergewirtschaftete Infrastruktur bewundern. Vielleicht würde sie dann begreifen, dass die Welt auf Weisheiten und Ratschläge bundesdeutscher Politiker gut verzichten kann. Oder will sie uns unterjubeln, die Welt wolle Flughäfen, die nicht in Betrieb gehen, Philharmonien, die nicht fertig werden, Bahnstrecken aus dem 19. Jahrhundert, vergammelte Bahnhöfe, Schulen und Straßen, Parteienfunkzwangsbeiträge, grüne Plaketten an jedem Auto, maximale Steuern, Strompreise und Bürokratie und Windmühlenmonster an jeder Gartenecke? 

PS.: Berliner Eingeweihte wollen vor wenigen Minuten gesehen haben, dass Claudia Antiatom Benedickta Empörungs-Kopftuch und Koffer packt (CO2-Ablaß mit Viel­flieger­partei­rabatt). Himm­lische Nach­richten. So schön könnten Kirchentage enden.