Donnerstag, 21. Juni 2012

Elektroauto: 3. Fortschrittsbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) - 20.06.2012

FIKTIONEN

Um Caloritorta und Terracalefactus zu besänftigen, die apokalyptischen Gottheiten der Energiewende und des Klimawandels, beschließt 2009 die Bundesregierung unter Führung der Bundeskanzlerin Angela Merkel:
„Ziel der Bundesregierung ist es, dass bis 2020 eine Million Elektro­fahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren.“ - Link: Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung, August 2009.
Die Bundesregierung verabschiedet einen 11-Jahresplan. Wer würde an ihm zweifeln wollen – wenn es nicht drollige Erfahrungen aus einem anderen Land gäbe, gar nicht so lange her und gar nicht so weit weg von hier. Angela Merkel sollte sich noch erinnern können. DDR hieß es, das Paradies sozialistischer Träume. 5-Jahrespläne waren sein Lebenselixier. Erfüllt wurden sie nie. Nicht nur deshalb ging es 1989 unter. Möge Deutschland so etwas erspart bleiben.

Status 2012, 3 Jahre nach Start des Elektromobilitäts-Programms?


FAKTEN

Am 20.06.2012 legte die „Nationale Plattform Elektromobilität (NPE)“ den Dritten Fortschrittsbericht vor.

Vier (!) Bundesministerien sind mit ihren Ministern beteiligt. Auszug aus: “Gemeinsame Pressemitteilung 078/2012 des BMWi, BMVBS, BMU und BMBF vom 20.06.2012“:

Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler:

"Die Ergebnisse des Fortschrittsberichts zeigen, dass sein Name Programm ist: Wir haben bei der Elektromobilität bereits viel erreicht. Gleichzeitig liegt aber auch noch eine große Wegstrecke vor uns. Klar ist, dass Wettbewerb und Markt die besten Treiber für Innovationen sind und es deshalb Sache unserer Unternehmen ist, die Elektro­mobilität voranzubringen. Aufgabe der Bundesregierung ist es, die richtigen Rahmen­bedingungen und Impulse zu setzen. Das tun wir mit unserem Regierungs­programm, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung. Ich bin froh, dass wir heute Leucht­turmprojekte auf diesem Gebiet benennen. Diese besonders herausgehobenen Forschungs­projekte sollen zeigen, wie innovativ der Standort Deutschland ist."

In der Sprache des Volkes: Es wurde wenig erreicht. Deshalb muss mein Ministerium noch viel subventionieren.

Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer:

"Der Bericht der Nationalen Plattform zeigt deutlich, dass wir mit der Elektromobilität in den letzten beiden Jahren ein gutes Stück vorangekommen sind. Die deutschen Hersteller haben bereits attraktive Elektro­autos entwickelt. Wir haben nicht nur in den Modell­regionen und -projekten gesehen, dass Elektroautos in vielen Anwendungs­bereichen schon heute alltagstauglich sind. Durch gezielte Forschung- und Entwicklungs­aktivitäten müssen die Elektro­fahrzeuge jetzt noch kostengünstiger und attraktiver werden. Die Bundesregierung unterstützt dies durch ihre Förderaktivitäten."

In der Sprache des Volkes: Es wurde wenig erreicht. Deshalb muss mein Ministerium noch viel subventionieren.

Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Peter Altmaier:

"Die Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Die Zukunft der Mobilität gründet auf erneuer­baren Energien. Ich begrüße ausdrücklich das erneute Bekenntnis der Nationalen Plattform Elektro­mobilität, dass die Energie­wirtschaft den Strombedarf von Elektro­fahrzeugen aus zusätzlichen regenerativen Energie­quellen zur Verfügung stellen wird. Dadurch werden sich wertvolle Synergie­effekte einstellen: Strom aus Wind und Sonne ist ein idealer Partner flexibler Verbraucher - etwa intelligent ladender Elektroautos. Diese wiederum brauchen erneuerbare Energien, um ihren Klimavorteil zu untermauern."

In der Sprache des Volkes: Es wurde wenig erreicht. Deshalb muss mein Ministerium noch viel subventionieren.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan:

"Die Nationale Plattform Elektromobilität hat zurecht einen Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung gelegt. Heute müssen die technologischen Grundlagen dafür geschaffen werden, dass langfristig marktfähige Elektro­fahrzeuge entstehen können. Die Förderprogramme des BMBF setzen bei zwei der größten Heraus­forderungen an: bei der Leistung der Batterie sowie bei der Energieeffizienz des gesamten Fahrzeugs."

In der Sprache des Volkes: Es wurde wenig erreicht. Deshalb muss mein Ministerium noch viel subventionieren.


Zum Dritten Fortschrittsbericht Elektromobilität (NPE):

Wie nicht anders von Subventionsempfängern und von Forschungsgremien zu erwarten, werden weitere Förderprogramme und staatliche Unterstützungsaktionen gefordert.

Die herausragendsten Informationen sind in Kapitel 7 ab Seite 60 zu finden: „Kernbotschaften und Empfehlungen“. Dieses Kapitel ist ein Leseschmaus mit seinen verklausulierten und schwammigen Aussagen.

Nehmen wir als Beispiel von Seite 62 die „KERNBOTSCHAFT SYSTEMISCHER ANSATZ“:

Untertitel:
„Elektromobilität ist aus der Perspektive des Nutzers zu denken und muss daher als Gesamtsystem verstanden und bearbeitet werden, um Kundenakzeptanz zu erzielen“.
Donnerwetter! Diese Weitsicht. Und das schon im 3. Fortschrittsbericht, schon drei Jahre nach Programmstart. Das lässt hoffen.

Die NPE empfiehlt:
  • "Die weitere Stärkung der Zusammenarbeit aller Akteure in den getrennten Teilsystemen Fahrzeug, Verkehr und Energie innerhalb des Gesamtsystems Elektromobilität und die Erprobung dieser branchenübergreifenden Zusammenarbeit in Schaufenstern."
    In der Sprache des Volkes: Nichts funktioniert im zersplitterten Deutschland.

  • "Die Erarbeitung und Umsetzung internationaler Normen und Standards für alle Schnittstellen der Teilsysteme als Schwerpunkt der laufenden Markt­vor­bereitungs­phase."
    In der Sprache des Volkes: Wir befinden uns immer noch am Anfang und wissen nicht, wann wir fertig sein werden. Auf jeden Fall brauchen wir Subventionen für die schwierigen Normungs­verhandlungen überall auf der Welt.

  • "Die kontinuierliche, technologie­übergreifende Zusammenarbeit in den F&E-Leuchttürmen."
    In der Sprache des Volkes: Auch das klappte bisher nicht.

  • "Die Erstellung einer Roadmap „Systemischer Ansatz Elektro­mobilität“ als Ergänzung zu den Aktivitäten in den Leuchttürmen und Schaufenstern."
    In der Sprache des Volkes: Wir wissen immer noch nicht, was das Ganze soll.

Solche lustigen Empfehlungen ziehen sich durch den gesamten Fortschrittsbericht.

Résumé:

  • Der 11-Jahresplan Elektromobilität der Bundesregierung mit dem Ziel „1 Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen“ ist Staatswirtschaft, ist sozialistische Planwirtschaft.
  • Je eher das Quantitäts-Ziel zugunsten eines pragmatischen und erreichbaren Qualitäts-Zieles aufgegeben wird, umso besser ist es für Deutschland.
  • Je eher erkannt wird, dass Wettbewerb zu guten Lösungen führt, und nicht staatlich gelenkte Subventionswirtschaft, umso effizienter wird die Industrie arbeiten.
  • Lasst uns der Industrie nur das Ziel vorgeben, emissionsarme Fahrzeuge, über den gesamten Herstell- und Betriebszyklus gesehen, zu produzieren.
  • Versuchen wir nicht, die Industrie über Subventionen zu steuern.
  • Lasst die Industrie die Lösungen eigenständig entwickeln, ohne Detailvorgaben, wie z. B. 1 Mio. Elektrofahrzeuge im Jahre 2020.

Apple konnte nur erfolgreich werden, weil sich der Staat nicht eingemischt hat. Unter bundesdeutschem Staatseinfluss mit einer Bundeskanzlerin Merkel wäre Apple heute keinen Schritt weiter, als 1989 Robotron in der DDR.

Was Deutschland am wenigsten braucht, sind neue Subventionen und neue Planwirtschaft. Was Deutschland am dringendsten braucht, sind politische Parteien und Politiker mit Sachverstand.

Links:
Blog: Elektroautos mit dicker Batterie und dünner Reichweite, Kraftstoffkosten
Blog: "Elektromobilitat-Elektroautos" - Das neue Subventionsfass ohne Boden

Weitergehende Informationen für Interessierte:

Liste: "Laufende und abgeschlossene Förderprojekte der Bundesregierung im Bereich Elektromobilität".
Die Liste enthält ca. 160 Förderprojekte, aufgeteilt auf 4 Bundesministerien, Gesamtsumme: ca. 390 Mio. EUR. Weniger als 10% der Projekte sind abgeschlossen. Selbst im Geld schwimmenden Unternehmen, wie Volkswagen, Evonik, Bosch, Daimler, BASF, Bombardier werden Fördergelder für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben spendiert, die im Kerninteresse der Unternehmen liegen.

Link zur Internetseite Regierungsprogramm Elektromobilität, auf der der bundesdeutsche Förderwirrwarr zur Elektromobilität wunderbar erkennbar wird.

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Caloritorta, Terracalefactus: Alle Rechte bis ca. 2048+70=2118: Erwin Löwe und Erben.